Mai 31, 2021 - Min LesedauerMin Lesedauer

Entzündungen und Zahnfleischerkrankungen

Finde heraus wie eine Entzündung entsteht, welche Folgen sie haben kann und wie Zahnfleischerkrankungen und Deine allgemeine Gesundheit zusammenhängen.

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Entzündung? Auch Du hast bestimmt schon viel über diesen Begriff gehört... aber wie kommt es eigentlich zu einer Entzündung? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Entzündungen und Infektionen? Kann sich eine Zahnfleischentzündung auf den Rest Ihres Körpers ausbreiten? Eine Entzündung ist eine komplexe Angelegenheit, die wir in diesem Artikel ausführlich erklären werden.  Lies also einfach weiter um besser zu verstehen, was eine Entzündung ist und was es für Dein Zahnfleisch, Deine Zähne und Deine allgemeine Gesundheit bedeutet.

 

Akute Entzündung – Fluch und Segen!

Erinnerst Du Dich an das letzte Mal, als Du Deine Zunge verbrannt hast, einen Muskel gezerrt oder Halsschmerzen hattest? All das hat eine Gemeinsamkeit: Es liegt eine Entzündung vor. 

Lass und das kurz erklären: Wenn lebendes Gewebe des Körpers geschädigt wird durch Verletzungen, Keime oder eine Erkrankung – wird eine entzündliche Immunantwort ausgelöst, um die Ursache der Schäden anzugehen und den Heilungs- und Reparaturprozess zu beginnen[1].

Im Körper passiert also Folgendes: Wenn der Körper wahrnimmt, dass er angegriffen wird, mobilisiert er seine Ressourcen – die Immunzellen, die im Körpergewebe leben – um zu kämpfen. Eine ganze Armee von Immunzellen wird rekrutiert. Um Verstärkung zu erhalten, geben Immunzellen Substanzen frei, die als Entzündungsmediatoren bekannt sind und andere Immunzellen in den betreffenden Bereich locken. Diese Verstärkungszellen wandern durch den Blutkreislauf und überqueren die Gefäße, um in das beschädigte Gewebe zu gelangen. Um diesen Prozess zu erleichtern, werden die Blutgefäße größer und durchlässiger, deshalb wird der betroffene Bereich rot, heiß und geschwollen[2]! Dies wird als akute Entzündung bezeichnet.

Eine akute Entzündung hat zwei Phasen: die erste beinhaltet die Bekämpfung der Ursache der Schäden und "Reinigung" der Fläche, während die zweite sich um die Rekonstruktion des beschädigten Gewebes dreht. Es ist wichtig zu beachten, dass der Körper sich nicht in Phase zwei begeben kann, wenn Phase eins noch nicht abgeschlossen ist.

Auch wenn es schmerzhaft sein kann und manchmal alarmierend aussieht, ist eine akute Entzündung ein wichtiger Mechanismus für Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden [3]. Es ist ein Instrument zur Heilung. Eine Entzündung entsteht in der Regel kurz nach dem Auftreten des Schadens – innerhalb von Minuten oder Stunden – und sollte kurzlebig sein und abklingen, sobald der betroffene Bereich "in einen Gleichgewichtszustand zurückversetzt wird" [4]. Nur wenn die Entzündung anhält und chronisch wird, kann sie zu einer Belastung für den Körper und Deine Gesundheit werden.

 

Was hat das mit Zahnfleischerkrankungen zu tun?

Zahnfleischerkrankung = Zahnfleischentzündung

Wenn wir von einer "Zahnfleischerkrankung" sprechen, geht es eigentlich um eine Entzündung des Zahnfleisches. Gingivitis (Zahnfleischerkrankung im Frühstadium) bedeutet wörtlich "Entzündung der Gingiva". Wie bereits erläutert, tritt eine Entzündung auf, wenn lebendes Gewebe geschädigt wurde. Im Zusammenhang mit Zahnfleischerkrankungen werden Schäden oft durch Plaquebildung [5] an der Zahnoberfläche entlang des Zahnfleischrandes verursacht. Wenn die Bakterien in der Plaque Giftstoffe (Toxine)  freisetzen, die mit dem Zahnfleisch in Berührung kommen, löst dies eine entzündliche Immunantwort aus.

Wie bereits gesagt, ist eine akute Entzündung die Reaktion des Körpers auf schädliche Reize – ein Abwehrmechanismus – und daher willkommen. Die Zellen des Immunsystems wandern zu dem betroffenen Bereich, um den Schaden zu reparieren. Es ist jedoch wichtig, die Ursache der Entzündung – in den meisten Fällen die Plaque-Ansammlung [6]anzugehen, um sicherzustellen, dass die Ursache entfernt wird und der Körper an die Reparatur gehen kann.

Von der Gingivitis zur Parodontitis – wenn die Entzündung "böse" wird

Gingivitis ist eine reversible Erkrankung, die bis zu 90% der erwachsenen Weltbevölkerung betrifft. Reversibel bedeutet, wenn ich die Ursache - in diesem Fall die Plaque - beseitige, tritt der Ursprungszustand wieder ein. Wenn sie nicht behandelt wird, kann sie zu einer schwereren Form von Zahnfleischerkrankung, der sogenannten Parodontitis, fortschreiten. Dieser Zustand ist durch eine chronische Entzündung gekennzeichnet. Im Gegensatz zu einer akuten Entzündung, die kurzlebig ist und den Heilungsprozess ermöglicht, ist die chronische Entzündung anhaltend, hemmt die Heilung und verursacht dadurch weitere Schäden [7]. Grundsätzlich besteht bei chronischen Entzündungen die erste Phase des "Kampfes und Aufräumens" fort, da der Körper nicht in der Lage ist, die anfängliche Schadensursache anzugehen. Im Falle von Parodontitis, sind das Plaque und Bakterien. Solange diese Phase aktiv ist, kann der Körper nicht in die zweite Phase übergehen und Gewebe rekonstruieren.

Im Laufe der Zeit führen die anhaltende Entzündung und das Fehlen einer Rekonstruktion dazu, dass sich das Zahnfleisch vom Zahn zurückzieht und Taschen bildet. Im Gegensatz zu gesundem Zahnfleisch, das als physische Barriere wirkt, schafft es entzündliches Zahnfleisch nicht, den Angriff von Bakterien zu verhindern. Es wird für Bakterien einfacher, in das Gewebe einzudringen und die Entzündung zu "füttern". Während die Immunzellen im laufenden Kampf gegen die Bakterien beteiligt sind, erhält sich die Entzündung selbst aufrecht. Schließlich werden durch die Bemühungen der Immunzellen, die Bakterien abzutöten, auch Schäden am Gewebe verursacht[8]. Man könnte das einen Kollateralschaden nennen. Bei einer Parodontitis werden Knochen und Gewebe, das die Zähne stützt, am Ende zerstört [9]. Dieser Schaden ist irreversibel und erfordert eine zahnärztliche Behandlung, um einen eventuellen Zahnverlust zu verhindern [10].

Chronische Entzündung – der gemeinsame Nenner zwischen Parodontitis und systemischen Erkrankungen

Wie oben beschrieben, hat eine Parodontitis schwerwiegende Folgen für Deine Mundgesundheit. Aber es geht nicht nur darum: Chronische Zahnfleischerkrankungen setzen auch Deine allgemeine Gesundheit aufs Spiel. Tatsächlich können entzündliche Vorgänge in einem Organ auch schädliche Prozesse in anderen Organen oder Geweben verursachen oder verschlimmern[11]. Es besteht ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen oralen (Mund) und allgemeinen Gesundheitsproblemen, wie aus dem Weltgesundheitsbericht (2003) [12] hervorgeht. Studien haben interessante Beweise für den Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzinfarkt, Diabetes und Schlaganfall erbracht [13].

Eine Studie in Schweden ergab, dass Bluthochdruck und die Häufigkeit von Herzinfarkten mit der Schwere der Parodontitis zusammenhingen, unabhängig vom Alter [14]. Parodontitis wurde auch mit Schlaganfall in Verbindung gebracht [15]. In Bezug auf Diabetes gibt es Hinweise darauf, dass der Zusammenhang tatsächlich bidirektional (wechselwirkend) ist[16]. Studien haben bestätigt, dass eine Parodontitis die Blutzuckerkontrolle bei Diabetikern negativ beeinflusst und das Risiko von Komplikationen erhöht, während Diabetes sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere der Parodontitis erhöht, insbesondere in Fällen schlechter Blutzuckerkontrolle [17]. Für weitere Informationen schau Dir unseren Artikel zum Thema "Diabetes und ihr Einfluss auf die Mundgesundheit" an.

Diese Beziehung erklärt sich durch die Tatsache, dass Parodontitis und eine Reihe von systemischen Erkrankungen einen gemeinsamen Entzündungsweg haben. Eine Entzündung dient dazu, lokale Schäden zu reparieren, aber sie besteht aus einer Ganzkörperreaktion. Wenn die Immunzellen – die zur Verstärkung gerufen – durch den Körper reisen, um den betroffenen Bereich zu erreichen, können sie Entzündungen in anderen Bereichen aktivieren. Mit anderen Worten, Entzündungsmediatoren, die von diesen Zellen freigesetzt werden, sind in der Lage, die Entzündungsreaktion auf andere Teile des Körpers zu "übertragen", wo sie Entzündungen verursachen oder bestehende verschlimmern können[18]. Chronische Entzündungen sollten also immer als ein Gesamtkörperzustand betrachtet werden, der Verletzungen und Krankheiten fördert. Wie schon zu Beginn des Artikels ewähnt, Entzündungen sind komplex!

Was kann ich für mich ableiten?

Schütze Deine allgemeine Gesundheit, indem Du Zahnfleischentzündungen bekämpfst, bevor sie chronisch werden!

Chronische Entzündungen, Zahnverlust, systemische Erkrankungen...wir haben einige ernste Themen angesprochen. Wichtig ist dabei zu wissen - Du wachst nicht eines Tages morgens mit einer chronischen Zahnfleischerkrankung auf. Es beginnt in der Regel als leichte Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis). Wenn diese nicht behandelt und ihre Ursache bekämpft wird, kann sie sich verschlechtern und schließlich zu einer Parodontitis fortschreiten.

Aber das wird nicht passieren, wenn Du eine gute Mundhygiene betreibst! Denke daran: Die Ansammlung von Plaque am Zahnfleischrand ist eine der häufigsten Ursachen für Zahnfleischentzündungen [19]. Plaque ist ein weicher Biofilm [20]. Es sind Bakterien, die Entzündungen im Zahnfleisch verursachen – die Giftstoffe, die sie freisetzen, kommen in Kontakt mit Zahnfleischgewebe und lösen eine entzündliche Immunantwort aus. Weitere Informationen zu Plaque findest Du in unserem Blogartikel. Plaque-Bildung ist ein fortlaufender Prozess, aber die gute Nachricht ist, dass Du leicht wirksame Maßnahmen ergreifen kannst.

Was kann ich tun?

Eine vollständige Mundpflege-Routine hilft, Plaque "in Schach" zu halten

Wenn Du erste Anzeichen einer Zahnfleischentzündung feststellst, oder dies verhindern möchtest, muss die Entfernung von Plaque für Dich oberste Priorität haben. Das Wichtigste ist, sich eine vollständige Mundpflege-Routine anzugewöhnen. Dies umfasst Zähneputzen, Zahnzwischenraumreinigung und Spülen.

Dabei ist Folgendes wichtig: Putze mindestens zweimal täglich zwei Minuten lang mit der entsprechenden Zahnputztechnik . Putzen immer sanft (nicht zu fest aufdrücken - Zähneputzen ist kein Kraftakt) und verwende eine weiche Zahnbürste, um zu vermeiden, dass Dein Zahnfleisch verletzt wird. Wenn das Zahnfleisch beim Putzen etwas empfindlich ist, entzündet oder blutet, empfehlen wir eine Zahnpasta aus unserem GUM® PAROEX® Sortiment zu verwenden. Wenn die Blutung länger als eine Woche anhält, suche bitte Deinen Zahnarzt auf.

Als nächstes – die Zahnzwischenraumreinigung! Das ist wichtig, da Plaque sich auch zwischen den Zähnen ansammelt und beim normalen Zähneputzen mit der Zahnbürste nicht entfernt wrden kann. Wenn Du also Deine Zähne und Dein Zahnfleisch gesund erhalten möchtest, muss die Zahnzwischenraumreinigung ein Teil Deiner täglichen Mundpflege-Routine sein.

Dazu gibt es viele unterschiedliche Produkte, die Dich dabei unterstützen: Interdentalbürsten, Interdentalreiniger oder Zahnseide. Wenn Dein Zahnfleisch ein wenig empfindlich ist, probiere Interdentalreiniger aus! Sie sind super sanft und ganz einfach anzuwenden. Welches Produkt Du auch verwendest; wichtig ist es, dieses jeden Tag zu verwenden.

Der letzte Schritt Deiner Mundpflegeroutine ist das Spülen. Wir empfehlen die Verwendung einer milden Mundspülung, die hilft, Plaque zu bekämpfen, ohne Dein Zahnfleisch zu reizen. Wenn Du unter Zahnfleischentzündungen leidest, probiere eine Mundspülung aus unserem GUM® PAROEX® Sortiment aus. Vergiss nicht Deinen Zahnarzt zweimal im Jahr für eine professionelle Reinigung und personalisierte Pflege aufzusuchen.

Achte auf Deine Zuckeraufnahme

Alles, was Du isst oder trinkst, wird zur Plaquebildung beitragen, aber zuckerhaltige Speisen und Getränke können von den Plaquebakterien einfacher verstoffwechselt werden und tragen daher zu einer schnellen Plaquebildung bei. Daher solltest Du Deine Zuckeraufnahme  wenn möglich begrenzen [21]. Wenn Du gerne Süsses naschst, empfehlen wir die Zähne sofort nach dem Essen oder Trinken von etwas Zuckerhaltigem zu putzen. Rohes, knackiges Obst und Gemüse  bieten eine gewisse "Reinigungsleistung" und können helfen, Plaque und Speisereste zu entfernen[22]. Also denke daran, wenn Du beim nächsten Mal die Wahl zwischen einer Karotte und einem Schokoriegel hast!

Gut zu wissen

Plaque ist die Hauptursache für Entzündungen, aber das bedeutet nicht, dass andere Faktoren keine Rolle spielen. Rauchen, Stress, Schwangerschaft und die Verwendung bestimmter Medikamente können das Risiko erhöhen, Zahnfleischentzündungen zu entwickeln [23]. Nicht alle Faktoren kannst Du kontrollieren, daher ist es wichtig, diese zu kennen und gegebenfalls mit Deinem Zahnarzt zu besprechen.

 

Schütze Deine Mund- und allgemeine Gesundheit, indem Du Entzündungen im Keim erstickst

  1. Eine akute Entzündung ist die Reaktion des Körpers auf schädliche Reize – sie ermöglicht den Heilungsprozess von geschädigtem Gewebe und verschwindet dann. Chronische Entzündungen hingegen sind hartnäckig und halten sich selbst am Leben – sie hemmen den Heilungsprozess und verursachen weitere Schäden im Körper. Stelle daher sicher, dass Du die Ursache der akuten Entzündung bekämpfst, um zu verhindern, dass sie verbleibt und sich verschlimmert.

  2. Eine chronische Entzündung kann sich ausbreiten. Beginnend in einem Teil des Körpers, kann sie Entzündungen in einem anderen Teil des Körpers verursachen oder verschlimmern. Es gibt eine nachgewiesene Wechselwirkung zwischen Parodontitis und systemischen Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes. Je besser Du Deine Mundgesundheit schützt desto besser schützt Du auch Deine allgemeine Gesundheit.

  3. Eine Zahnfleischentzündung entsteht in der Regel durch eine Ansammlung von Plaque am Zahnfleischrand und im Zahnzwischenraum. Du kannst dies verhindern, indem Du eine 3-stufige Mundpflege-Routine durchführst und Deinen Zahnarzt mindestens zweimal im Jahr aufsuchst.

 

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